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Die Vorteile der Zusammenarbeit mit einem Fertigungspartner bei der Elektroauto-Produktion

Durch die steigende Nachfrage nach Elektroautos (EVs – Electric Vehicles) und die prognostizierte Zunahme an Marktanteilen in Europa, China und den USA in den kommenden Jahren ist der Zeitpunkt für einen Markteintritt noch nie besser gewesen. Die E-Mobilitätswende bietet die perfekte Gelegenheit, völlig neue Fahrzeuge auf diesen dynamischen, interessanten und lukrativen Markt zu bringen.

Viele Startups stehen mit ihren Elektroauto-Visionen in den Startlöchern. Die Bereitschaft zum Einstieg ist also gegeben, jedoch ist die Teilnahme an einem derart umkämpften Markt mit großen Hürden verbunden, die gerade für Neueinsteiger schwer zu meistern sind. Besonders bei der Frage nach den Produktionsstätten stehen Startups vor der Entscheidung, ob sie die Sache komplett selbst in die Hand nehmen und die erforderlichen Produktionsanlagen, Prozesse und Arbeitskräfte eigenständig aufbauen wollen, oder ob sie sich einen Produktionspartner suchen, der sie durch Auftragsfertigungen unterstützt.

Dieser Artikel hebt die Hauptmerkmale der Auftragsfertigung bzw. der Zusammenarbeit mit einem Produktionspartner hervor und verschafft einen allgemeinen Überblick über die Vorteile und potenziellen Herausforderungen bei der Wahl dieser Vorgehensweise.

ANFORDERUNGEN UND VORAUSSETZUNGEN FÜR DEN AUFBAU EINER EIGENEN AUTOMOBILFABRIK

Die Herausforderungen, denen Startups beim Aufbau einer eigenen Elektroauto-Produktionskette begegnen, sind nicht zu unterschätzen. Ein Produktionssystem für Elektroautos besteht aus einer Vielzahl komplexer Mechanismen, die wiederum auf der Basis von vielen kleineren Teilprozessen und Leistungen funktionieren. Darüber hinaus müssen bei der Entscheidung, eine Fabrik von Grund auf neu aufzubauen, auch viele externe Faktoren berücksichtigt werden:

-          Die Wahl des Standortes allein erfordert einiges an Überlegungen: Zum einen sollte der Standort günstige rechtliche Rahmenbedingungen, wie die Verfügbarkeit von Förderprogrammen oder ein angemessenes Lohnniveau bieten. Zum anderen sollte der Standort in einer politisch stabilen Region liegen.

-          Auch die vor Ort herrschenden gesetzlichen Rahmenbedingungen in Bezug auf Sicherheits- und Qualitätsstandards oder Klimavorschriften müssen berücksichtigt werden.

-          Die Produktion an einem bestimmten Standort ist auch stark von der Verfügbarkeit und den Fähigkeiten lokaler Arbeitskräfte abhängig. Einerseits erfordert die Herstellung von Elektroautos in allen Bereichen eine große, gut ausgebildete Belegschaft, die zu finden und anzuwerben an sich schon keine leichte Aufgabe darstellt. Andererseits sind auch Fragen zu Arbeitszeiten, Zeitplänen oder Zusatzleistungen zu klären.

-          Lieferanten sind ein weiterer Schlüsselfaktor jeder Produktionsstätte. Idealerweise sollte der gewählte Standort in der Nähe aller Kernlieferanten liegen, um eine lückenlose Lieferkette und geringe Transportwege zur Fabrik zu gewährleisten.

-          Das angestrebte Produktionsvolumen wirkt sich nicht nur auf den Zeitraum bis zur Markteinführung (TTM – Time-to-Market) und auf die Ressourcenkosten aus, sondern auch auf die Qualität und Quantität der Werkzeuge sowie auf die Produktionsanlagen allgemein. Lesen Sie mehr über die Bedeutung des Produktionsvolumens im Artikel „5 Herausforderungen, denen sich jedes Startup in der Automobilindustrie stellen muss“.

Auch nach der Wahl des Standortes dauert es noch mehrere Jahre, bis die Bauarbeiten abgeschlossen sind und die Produktion hochgefahren ist. Währenddessen müssen Neueinsteiger einiges an zeitlichen und finanziellen Ressourcen in die Organisation und den Aufbau der Produktionsanlage bzw. in die Aufrechterhaltung der damit verbundenen Prozesse investieren.

 

DIE VORTEILE DER ELEKTROAUTO-HERSTELLUNG MIT EINEM PRODUKTIONSPARTNER

Die Partnerschaft mit einem Fahrzeug-Fertigungspartner ermöglicht Neueinsteigern den Zugang zu einer bereits etablierten Produktionsstätte – einschließlich schon vorhandener Fachkräfte und laufender Produktions- und Organisationsprozesse:

  • Der Hauptvorteil des Fertigungspartners besteht darin, dass er nicht nur die Fahrzeugproduktion, sondern auch den gesamten Prozess der Industrialisierung des Fahrzeugkonzepts übernehmen kann. Dazu gehören die Konzeption der Fabrik, die Prozess- und Anlagenplanung sowie die Steuerung und Überwachung der Anlageninstallation.
  • Darüber hinaus sind alle Produktions- und Organisationsprozesse bereits festgelegt und getestet. Das bedeutet, dass Neueinsteiger sofort von einsatzbereiten Anlagen profitieren können.
  • Auftragsfertiger können darüber hinaus die gesamte für die Fahrzeugproduktion notwendige Infrastruktur bereitstellen, d. h. in der Regel auch den Zugang zu einem etablierten Produktionssystem inkl. Qualitäts-, Technologie- und Nachhaltigkeitsstandards.
  • Zu guter Letzt erübrigt sich für Startups der Aufbau eines geeigneten Liefernetzwerks, wenn sie einen Produktionspartner mit schon bestehendem Liefernetzwerk an ihrer Seite haben.
Unter den genannten Voraussetzungen, also wenn sich Neueinsteiger für eine Zusammenarbeit mit einem Produktionspartner entscheiden, sehen sich diese nicht nur mit weniger Risiken konfrontiert, sondern können auch ihren TTM (Time-to-Market) um ein Vielfaches reduzieren. Die Summe an Vorteilen, die ein Produktionspartner mit sich bringt, führt dazu, dass sich das Startup voll und ganz der Entwicklung seiner Marke widmen und in weiterer Folge schneller die erhofften Erfolgszahlen schreiben kann.

 

DIE BESTIMMUNG DES KOOPERATIONSMODELLS

Die Auftragsfertigung schränkt Neueinsteiger natürlich nicht auf ein bestimmtes Kooperationsmodell ein. Dieses richtet sich immer nach der Art und dem Umfang der Leistungen, die vom Produktionspartner letztendlich erbracht werden. Neue Marktteilnehmer können sich z. B. dafür entscheiden, ihre eigenen Anlagen zu bauen, während der Auftragshersteller nur die erforderlichen Arbeitskräfte oder organisatorisches Knowhow bereitstellt. Ebenso ist es üblich, dass Startups einen Fertigungspartner suchen, der sie bei der Durchführung der Machbarkeitsstudie unterstützt, die in der frühen Phase der Konzeptentwicklung erforderlich ist. In weiterer Folge kann der Partner den neuen Marktteilnehmer sogar beim Aufbau einer eigenen Produktionsstätte unterstützen und die dafür nötigen Entwicklungsprozesse erheblich beschleunigen.

Der Grad der Zusammenarbeit hängt letztlich von der Art der Kooperation und spezifischen Arbeitsteilung ab, für die sich die beiden Partner entscheiden. Näheres zu diesem Thema wird im Artikel „Neueinsteiger in der Automobilindustrie: Die ideale Arbeitsteilung für Ihren Fahrzeugentwicklungsprozess“ erläutert. 

 

HERAUSFORDERUNGEN BEI DER AUFTRAGSFERTIGUNG

Für eine erfolgreiche Partnerschaft und Zusammenarbeit mit einem Auftragshersteller gibt es einige Punkte zu beachten:

  • Es ist wichtig, die gewünschte Arbeitsverteilung zwischen den Partnern im Voraus festzulegen. Beide Parteien sollten genau wissen, wer für welche Aufgaben zuständig ist und wer die Verantwortung für bestimmte Entscheidungen trägt.
  • Darüber hinaus befürchten Neueinsteiger möglicherweise, die Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit bezüglich ihrer eigenen Vision zu verlieren. In manchen Fällen kann ein Vertragshersteller einige Beschränkungen hinsichtlich Entwicklung und Herstellung vorgeben. Dies kann ein Problem für Neueinsteiger mit besonders einzigartigen Anforderungen (z. B. in Bezug auf Plattformen) sein. Lesen Sie mehr zu diesem Thema im Artikel „Die Vorteile der Zusammenarbeit mit einem Fertigungspartner bei der Elektroauto-Produktion“.

Festzuhalten ist, dass die größten Herausforderungen im Zusammenhang mit der Auftragsfertigung in der Regel umgangen werden können, wenn die beiden Parteien ihre zukünftige Beziehung und Verantwortlichkeiten genau aushandeln und festlegen. Vorausschauende Kommunikation und Transparenz sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Partnerschaft.

 

FAZIT

Insgesamt bietet eine Kooperation mit einem Fertigungspartner für Startups eine Vielzahl von Vorteilen. Das ist ganz besonders dann der Fall, wenn Neueinsteiger das Spektrum an Unterstützung, welches ein Auftragsfertiger in Form von Knowhow, Infrastruktur, Netzwerken etc. anzubieten hat, in vollem Umfang nutzen.

Natürlich bleiben dennoch einige Risiken bestehen. Insbesondere in Bezug auf die Arbeitsteilung sollte darauf geachtet werden, dass dem Startup ausreichend Handlungsspielraum eingeräumt wird, sodass dieses die Kontrolle über sein Projekt behält. Trotzdem ist die Zusammenarbeit mit einem Fahrzeug-Fertigungspartner grundsätzlich zu empfehlen, nicht zuletzt deswegen, weil ein solcher über wertvolle Erfahrungen in der Umsetzung von Fahrzeugvisionen verfügt und darüber hinaus eine breite Palette an Dienstleistungen rund um die Herstellung von Fahrzeugen anbieten kann.


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Erwin Fandl

Erwin Fandl ist seit 2019 Vice President Manufacturing bei Magna Steyr. Nach seinem Eintritt bei Magna im Jahr 1992 war er in verschiedenen leitenden Positionen in der Gesamtfahrzeugfertigung und im Qualitätsmanagement tätig. Er hat einen Abschluss als Diplom-Ingenieur an der Universität Graz.

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