WAS IST FAHRZEUGPLATTFORM-DESIGN?
Im Wesentlichen dreht sich die Fahrzeugplattform-Entwicklung um eine große Frage: Wie kann das Automobilprojekt realisiert werden? Um diese Frage zu beantworten, muss das Gesamtfahrzeug aus drei Perspektiven betrachtet werden.
Perspektive #1: Geometrie & Struktur
Beim Automobildesign und -architektur muss man vorneweg das tatsächliche Layout der Fahrzeugplattform berücksichtigen. Während der Aufstieg von Elektrofahrzeugen die Fahrzeugplanung erheblich verändert hat, sind gewisse Komponenten wie Batteriepakete, ein Fahrgestell, eine Karosserie, ein Lenker_innenplatz etc. zwingend notwendig.
Für dasselbe Modell existieren normalerweise bestimmte Derivate betreffend die Innenausstattung, von der Anzahl der Passagiersitze über die Höhe bis hin zur Position einzelner Elemente. Mit Zunahme der Plattform-Modularität (auf die wir gleich noch zu sprechen kommen) muss die Struktur unterschiedliche Größen- und Gewichtsklassen berücksichtigen. Wenn ein Fahrzeug eine unterschiedliche Anzahl von Batteriepaketen unterstützen muss oder für zwei Märkte an zwei verschiedenen Standorten hergestellt wird, muss seine Struktur so ausgelegt sein, dass diese Unterschiede den Rest des Autos nicht beeinflussen.1
Perspektive #2: Funktionale Eigenschaften, Systemfunktionen & Elektronik
Der zweite wichtige Faktor, der sich auf die Konstruktionsweise eines Autos auswirkt, sind seine Funktionen und technischen Eigenschaften. Diese reichen von kompletten Fahrzeugfunktionen wie Innenraumakustik, Sicherheitsbewertungen und Höchstgeschwindigkeit bis hin zu systemspezifischen Elementen wie dem Vorhandensein von elektrischer und elektronischer Architektur, bestimmten ADAS-Systemen oder der Batterieleistung. Funktionen bestimmen, wie das Fahrzeug in bestimmten Bereichen abschneidet und was es der Kundschaft bieten kann.2
Perspektive #3: Styling & Look-and-feel
Natürlich sind Funktionen nicht der einzige relevante Aspekt für die Endkundschaft. Hinter jeder Fahrzeugidee steht eine Vision, ein Gesamtbild, das dieses Auto der Öffentlichkeit vermitteln soll. Wie es von außen geformt ist, wie es während der Fahrt aussieht und sich anhört, wie sein Innenraum gestaltet ist, wie es sich anfühlt, in das Auto einzusteigen, es zu starten und zu fahren – all dies definiert das Fahrerlebnis und lässt die Vision seines Herstellers real werden. Das Styling eines Fahrzeuges legt oftmals auch die Grenzen fest, in denen man ein Fahrzeug realisieren kann. Es kann aber ebenso als Kitt fungieren, der eine Fahrzeugserie zusammenhält.3
Wie man Autodesign umsetzt
Diese drei Perspektiven aufeinander abzustimmen, verläuft nicht immer reibungslos. Bauliche Einschränkungen, funktionale Anforderungen und Gestaltungsrichtlinien stehen in mehreren größeren und kleineren Bereichen der Fahrzeugplattform-Entwicklung oft im Widerspruch zueinander. Gutes Automobildesign erfordert, den optimalen Mittelweg zwischen Struktur, Funktionalität und Styling zu finden.
Eines der zahlreichen Merkmale, die für die genaue Kontur eines Autos relevant sind, ist beispielsweise die Aerodynamik eines Fahrzeuges. Sie wirkt sich primär auf die Höchstgeschwindigkeit und die Kraftstoff- bzw. Batterieeffizienz eines Autos aus. Zudem bestimmt sie sekundär die Innenakustik und sogar, wie gut Schmutz von der Autooberfläche abfällt. Daher ist es ein wichtiges Ziel guten Designs, aerodynamische Effizienz durch Reduzierung des auf ein Fahrzeug wirkenden Auftriebes und Luftwiderstandes zu erreichen.
Dabei hängt die Aerodynamik als Eigenschaft in erster Linie von der Größe und Form eines Fahrzeuges ab. Seine Front, die Anzahl der Oberflächenöffnungen usw. beeinflussen, wie ein Auto durch die Luft „schneidet“. Betrachtet man aber nur die funktionale Seite, dann hätte jedes Fahrzeug auf dem Markt im Wesentlichen die Form eines Hochgeschwindigkeitszuges. Dies würde sich natürlich nicht nur auf das Styling des Fahrzeuges auswirken, sondern auch auf mögliche Kosten, Fahrgastkomfort und andere Merkmale wie Akustik oder Fahrzeugschnittstelle.
Gutes Fahrzeugdesign muss daher einen Mittelweg finden, der einen minimalen cw-Wert (Luftwiderstandsbeiwert) beibehält, ohne andere relevante Merkmale oder sein Design zu beeinträchtigen. Und es muss auch die baulichen Voraussetzungen seiner Plattform-Struktur einhalten. Dies gilt für alle Funktionen und Attribute eines Fahrzeuges. Daher ist bereits in der Fahrzeugplattform-Entwicklung ein kompetentes und zuverlässiges Team in den Bereichen Fahrzeugdesign und -architektur unerlässlich. In der Aerodynamik nutzt man außerdem Simulationswerkzeuge, um erforderliche Daten zu sammeln und das Design in weiterer Folge zu verbessern.